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Rede des neuen ITF-Präsidenten Paddy Crumlin, und Ansprache des scheidenden ITF-Präsidenten Randall



Die Rede von Randall Howard, ITF‐Präsident, auf dem 42. Kongress der ITF in Mexico City (Mexiko), 5. August 2010:

Es lebe die ITF, es lebe Afrika, es lebe die arabische Welt, es lebe Lateinamerika, es lebe Asien und der pazifische Raum, es lebe Nordamerika und es lebe Europa!

ALLE MACHT – DEN VERKEHRSBESCHÄFTIGTEN AUF DER GANZEN WELT!

EINLEITUNG

  • Herr Marcelo Ebrard Causabon, Gouverneur von Mexiko City, angeschlossene Organisationen aus der lateinamerikanischen Region als unsere offiziellen Gastgeber, unter der Leitung von Benito Bahena
  • Mitglieder des Vorstands
  • Vizepräsident/innen, Generalsekretär und stellvertretender Generalsekretär
  • Alle führenden Gewerkschafter/innen von der ITF angeschlossenen Organisationen, ehemalige ITF‐Präsidenten, Schwesterorganisationen und Partner
  • Kamerad/innen, Schwestern, Brüder, Delegierte, Freunde und Gäste
1. Am Ende der Vorstandssitzung im Juni 2010 sagte ich, dass Südafrika und Mexiko bei der Eröffnung der zum ersten Mal überhaupt in Afrika und in Südafrika stattfindenden FIFA‐Weltmeisterschaft gegeneinander spielen werden, und dass die ITF sich nicht aufspalten sollte, falls mein Land Mexiko besiegt. Ich möchte Mexiko zu dem guten Comeback und dem Unentschieden gegen Südafrika, aber auch zum Vorrücken
ins Viertelfinale gratulieren! Der mexikanische Fußball hat sich als sehr stark und leistungsfähig erwiesen und ist auf jeden Fall in der Lage, es in künftigen Weltmeisterschaften noch weiter zu bringen!

2. Mein Land hat es zwar nicht in die zweite Runde geschafft und alle Südafrikaner/innen waren sehr enttäuscht darüber, aber unser eigentlicher Sieg beruht darauf, dass wir als Gastland und Organisatoren der Fußballweltmeisterschaft erfolgreich waren. Während wir Afrikaner zwar auf unsere Fähigkeit zur Organisation solcher Veranstaltungen vertrauen, müssen wir diese Fähigkeit gegenüber den Menschen in vielen Teilen der entwickelten Welt, die unserem Organisationstalent sehr kritisch gegenüberstehen,
immer wieder aufs Neue beweisen. Ich denke, dass wir diese Stimmen immer noch nicht ganz zum Schweigen gebracht haben und ich hoffe, dass viele von euch eine Vuvuzela haben oder sich eine besorgen werden, denn sicher erinnert ihr euch daran, dass Vuvuzelas bereits während des Kongresses in Durban 2006 zur Einstimmung auf die Weltmeisterschaft im Jahr 2010 zu hören waren.

AFRIKANISCHER PRÄSIDENT

3. Ich bin der erste afrikanische Präsident und der zweite aus einem Entwicklungsland in der gesamten 114‐jährigen Geschichte der ITF, der einen Kongress eröffnet und wenn ich mein Mandat niederlege, werden sicherlich noch weitere folgen. Die Eröffnung eines Kongresses in Lateinamerika zeigt, dass wir wirklich international sind und auch weiterhin daran arbeiten müssen, ein echtes Spiegelbild der Bevölkerung
und der Herausforderungen aller ITF‐Regionen zu werden.

4. Es ist eine große Ehre, eine Rede auf dem 42. Kongress der ITF halten zu dürfen, um einige Gedanken über die Fortschritte der Organisation und meine Präsidentschaft in den vergangenen vier Jahren zu äußern.

5. Als ich das Amt im August 2006 übernahm, setzte ich vier Ziele fest und forderte, sie in die Kampagne für globale Organisationsarbeit zu integrieren:

  • Intensivierung des Kampfes gegen HIV und Aids
  • Förderung und Schulung von Frauen, um sie auf Führungspositionen vorzubereiten
  • Investition in gewerkschaftliche Bildung zum Aufbau gewerkschaftlicher Führungskapazitäten
  • Aufbau stärkerer, größerer, demokratischer, verantwortungsbewusster und gut funktionierender Gewerkschaften, insbesondere in Afrika.
REGION AFRIKA

6. Die oben genannten Ziele entsprachen allgemeinen Problemen und Herausforderungen, mit denen man in Afrika, aber auch in vielen Entwicklungsländern konfrontiert ist. In dieser Hinsicht hat Afrika innerhalb der ITF‐Familie an Größe gewonnen und richtete eine Vorstandssitzung in Tunis (Tunesien) aus, bei der die Tunis‐Erklärung verabschiedet wurde. Afrika war Gastland der ersten Regionalkonferenz in
Senegal und legte ein solides Fundament für die Integration der nordafrikanischen Subregion in die afrikanische Region.

7. Im Hinblick auf die oben genannten Ziele freue ich mich mitteilen zu können, dass die afrikanische Region ihre institutionellen und politischen Aufgaben sehr ernst genommen hat und sich mittels handlungsorientierter Programme darauf konzentriert, weniger zu reden und mehr umzusetzen, um den Herausforderungen die Stirn bieten zu können. Diesbezüglich möchte ich den ITF‐Regionalsekretär Joe Katende, die subregionalen Koordinator/innen und die führenden Gewerkschafter/innen angeschlossener Organisationen in den Sektionen zu ihren kontinuierlichen Bemühungen beglückwünschen, die Region in folgender Hinsicht zu positionieren:

  • Förderung von Gewerkschaftszusammenschlüssen zum Aufbau größerer und stärkerer Gewerkschaften
  • Schulung und Förderung leitender Gewerkschafter/innen
  • Selbstbefähigung von Frauen und jungen Arbeitnehmer/innen, damit sie zu aktiven und furchtlosen Gewerkschafter/innen werden
  • Ausarbeitung konkreter Programme, um der Kampagne für globales Organisieren Ausdruck zu verleihen.
8. Afrika, leiste auch weiterhin so hervorragende Organisationsarbeit und du wirst mit einer hoch mobilisierten Basis belohnt werden, die dazu bereit ist, allen Herausforderungen, mit denen Verkehrsbeschäftigte konfrontiert sind, die Stirn zu bieten!

9. In dieser Hinsicht muss unsere afrikanische und globale Kampagne echter und praktischer Solidarität mit den Arbeitnehmer/innen und den Menschen in Simbabwe, die zum Ziel hat, die Unterdrückung und Repression durch das Mugabe‐Regime zu beenden, indem ein chinesisches Schiff mit tödlichen Waffen an Bord zurückgeschickt wird, daran erinnern, dass eine der grundsätzlichen Aufgaben eines globalen Gewerkschaftsverbands darin besteht, mit Bestimmtheit gegen repressive Regime und Arbeitgeber überall auf der Welt vorzugehen, wenn sie versuchen, international anerkannte Menschen‐ und Gewerkschaftsrechte zu unterminieren und zu ignorieren.

LATEINAMERIKA

10. Die Anwesenheit der ITF, die ihre höchste entscheidungstragende Sitzung hier abhält, muss als konkreter Ausdruck von Solidarität gewertet werden, da dieser Kontinent der gefährlichste Aufenthaltsort für Gewerkschafter/innen ist. Das muss auch als eindeutige Botschaft an alle Regierungen und Arbeitgeber verstanden werden, nämlich dass die ITF die eklatante Verletzung von Menschen‐ und Gewerkschaftsrechten
nicht hinnehmen wird. Traurigerweise wurde unser Gewerkschaftskamerad Pedro Zamora im Jahr 2007 im Auftrag eines kapitalistisch unterstützten Staatsapparats brutal erschossen, weil er seine Mitglieder gegen die Privatisierung des Hafens anführte. Morde an Gewerkschafter/innen sind in Kolumbien an der Tagesordnung. In Costa Rica stellt die Regierung die ITF‐Hafengewerkschaften vor Probleme. In Mexiko unterzeichnen viele gelbe Gewerkschaften "Schutzabkommen", um nicht mit den Arbeitgebern
aneinanderzugeraten. Schutz bieten sie den Beschäftigten allerdings nicht.

11. WIR SIND STOLZ DARAUF, IN DER ITF STARKE UNABHÄNIGE UND VON DEN BESCHÄFTIGTEN KONTROLLIERTE GEWERKSCHAFTEN ZU HABEN, DIE IM INTERESSE DER ARBEITNEHMER/INNEN TÄTIG SIND!

12. DIE ITF MUSS DESHALB IHRE FÄHIGKEIT ZUM SOLIDARISCHEN HANDELN AUSWEITEN, SODASS WIR GEWÄHRLEISTEN KÖNNEN, DASS DIE GRUNDLEGENDEN UNIVERSELLEN MENSCHEN‐ UND GEWERKSCHAFTSRECHTE UND ‐FREIHEITEN VON ALLEN ARBEITGEBERN UND REGIERUNGEN IN DIESER REGION GEWAHRT WERDEN!

Wichtigste Kampagnen und Meilensteine

KAMPAGNE FÜR MANSOUR OSANLOO

13. Die ITF führte die auch vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) unterstützte wichtige Kampagne zur Freilassung unseres Gewerkschaftskollegen Osanloo und vielen anderen inhaftierten Gewerkschaftern im Iran auch weiterhin fort. Wir hoffen, dass die iranische Regierung der Forderung nach Freilassung all dieser Inhaftierten, die keinerlei Straftat begangen haben, nachkommen wird. Auch wenn Osanloo irgendwann freigelassen wird, sollte die weltweite Kampagne solange nicht eingestellt werden bis schließlich alle aus der Haft entlassen wurden und ihrer Gewerkschaftsarbeit ungehindert nachgehen können.

GEWERSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT IN ISRAEL UND PALÄSTINA

14. Die ITF muss auch weiterhin eine strategische Rolle bei der Ermöglichung der Kooperation auf Basis des Zypern‐Abkommens spielen, durch das gewerkschaftliche Zusammenarbeit gefördert werden soll, indem die frustrierenden Blockaden für palästinensisches Lkw‐Fahrpersonal beendet und eine Hotline zur
Erleichterung eines Eingreifens eingerichtet werden soll.

15. Wir werden Gewalt von jeglicher Seite auch weiterhin verurteilen und darauf verweisen, dass sie unverhältnismäßig ist. Wir werden die grundlegenden Rechte des palästinensischen Volks auf Selbstbestimmung in Zusammenhang mit einer Zwei‐Staaten‐Lösung unterstützen.

16. Wir sollten die von den Vereinten Nationen durchgeführten und von der israelischen Regierung unterstützen Nachforschungen begrüßen, aber aufs Strengste die unnötigen und tödlichen Angriffe auf die Gaza‐Flottille verurteilen, bei der neun türkische Aktivisten bei einer humanitären Mission an Bord eines Schiffes getötet wurden.

17. Wir müssen allerdings erneut darauf verweisen, dass unsere israelischen und palästinensischen Mitgliedsorganisationen gleichwertige Mitglieder der ITF‐Familie sind und unsere Glaubwürdigkeit als globaler Gewerkschaftsverband zur Unterstützung kontinuierlicher Gewerkschaftszusammenarbeit zwischen ihnen bleibt auch weiterhin ein vordringliches Anliegen. Unterschiedliche Sichtweisen der ITFMitgliedsorganisationen werden zwar anerkannt, sollten aber den Zusammenhalt unserer Familie nicht behindern, sodass wir uns auch weiterhin den gemeinsamen Anliegen der Verkehrsbeschäftigten widmen können.

GEWERKSCHAFTLICHE EINHEIT

18. Im Namen des ITF‐Vorstands kann ich den Kongress davon informieren, dass der Integrationsprozess mit FIOST nun vollzogen ist. Ich möchte dem ITF‐Vorstand und dem FIOST‐Weltvorstand für ihr kontinuierlich aufrechterhaltenes Engagement für die Sache und das Verständnis für die strategische Bedeutung, einem der noblen Ideale der Gewerkschaftsbewegung Form zu verleihen, danken. Dadurch wird die gewerkschaftliche Einheit gestärkt und wir werden die Möglichkeit haben, mehr für die Verkehrsbeschäftigten zu tun und dieses Handeln auch effizienter zu gestalten.

19. Ich möchte alle ehemaligen Mitgliedsorganisationen der FIOST und die früheren Mitgliedsorganisationen des Weltverbands der Arbeitnehmer (WVA) ganz herzlich als Mitglieder der ITF begrüßen.

20. Ihr seid nun gleichberechtigte Mitglieder der ITF‐Familie! DAS ARBEITSPROGRAMM "GLOBAL ORGANISIEREN" VORANTREIBEN

21. Seit den ITF‐Kongressen in Neu‐Delhi (Indien) und Vancouver (Kanada) wurde aus "Solidarität mobilisieren" die Plattform "Global organisieren", wodurch globales Handeln durch Projekte und Netze auf die lokale Ebene gebracht werden soll.

22. Seit auf dem ITF‐Kongress 2006 in Durban (Südafrika) "Global organisieren" in den Vordergrund rückte, wurden durch neuartig integrierte Arbeitsweisen handlungsorientierte Programme ausgearbeitet, durch die die Ressourcen angesichts der begrenzten Finanzmittel effizienter und optimal genutzt werden.

23. Die unter der Leitung des Vorstands durchgeführte Überprüfung ergab eine erfolgreiche Konstituierung des Strategischen Koordinierungsteams (Strategic Coordinating Team – SCT), das Projekte unter dem Motto "Global organisieren" (GO‐Projekte) auf integrierte Art und Weise mit klaren Zielvorgaben und definierten Ergebnissen konkret umsetzen kann. Dieses Detail wird in den Berichten, die auf dem Kongress vorgelegt werden, enthalten sein, damit der Fortschritt bzw. der Mangel an Fortschritt ausgewertet und festgelegt werden kann, was zu tun ist.

24. Es bleibt anzumerken, dass die im Rahmen des SCT neu geschaffenen Stellen und wie sie besetzt wurden, zum Teil zu ernsthaften Spannungen und unterschiedlichen Auffassungen im ITF‐Sekretariat in London (Großbritannien) und in den Regionalbüros geführt haben, was wiederum negative Auswirkungen auf die Beschäftigten und letztendlich ihre Leistung hatte.

25. Der neu gewählte Präsident, die Vizepräsident/innen und der Generalsekretär müssen dafür sorgen, dass ähnliche Prozesse künftig besser gemanagt werden, um solche Situationen zu vermeiden.

26. Unter der kompetenten und motivierten Leitung von Ingo Marowsky wurde zwar kontinuierlicher Fortschritt dabei erzielt, die einzelnen Punkte der regionalen Branchenorganisation und die Organisierung junger Beschäftigter zu verbinden, doch es gibt in den nächsten vier Jahren noch viel mehr zu tun. Allerdings können wir uns einen echten Sieg auf die Fahnen schreiben, da wir in Mumbai als Ergebnis der geführten Arbeitskämpfe und unterstützt durch das solidarische Handeln des Maersk‐Netzwerks Kollektivverträge mit All Cargo und TDWU unterzeichnen konnten.

27. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Kongress sein Engagement im Hinblick auf "Global organisieren" erneut bekräftigen wird und den Vorstand auch weiterhin mit Integration, Effizienz im Umgang mit Finanzmitteln und konkreten lieferbaren Ergebnissen auf der Basis festgelegter Ziele und Zeitrahmen, die vom SCT koordiniert werden, betrauen wird.

28. Die erste vorläufige Überprüfung der ITF‐Regionalstrukturen wurde dem Vorstand vorgelegt und muss noch abgeschlossen werden, sodass wir uns darauf konzentrieren können, Regionen aufzubauen und ihre Rolle eindeutiger festzulegen, um das entsprechende Level an Finanzierung und die erforderliche Anzahl von Mitarbeiter/innen festlegen zu können, die für die Unterstützung der angeschlossenen Organisationen und der Sektionen notwendig sind.

29. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen der weltweiten Rezession, die auf Grund des Fehlens einer geeigneten Regulierung und der Gier multinationaler Unternehmen, einschließlich der Banken, zur Schließung von Betrieben und der Entlassung von Millionen von Beschäftigten auf der ganzen Welt geführt hat, sind wir nun mit einem Mitgliederschwund und folglich einem Rückgang der Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge konfrontiert, was bedeutet, dass weniger Finanzmittel zur Verfügung stehen, aber gleichzeitig auch die Forderungen im Hinblick auf die Wahrung von Gewerkschaftsrechten und auf solidarisches Handeln steigen. Deshalb müssen wir in die Offensive gehen und gezielt neue Mitglieder, insbesondere Frauen und junge Arbeitnehmer/innen werben und mobilisieren.

FRAUEN AUF DEM WEG ZU FÜHRUNGSPOSITIONEN

30. Mit der Wahl von Sharan Burrow zur Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) konnten wir eine ausgesprochen historische Entwicklung miterleben. Im Namen des Kongresses möchte
ich unserer Kollegin Burrow ganz herzlich zu ihrer Wahl gratulieren und ihr alles Gute für ihr neues Amt wünschen. Zudem möchte ich ihr versichern, dass sie stets auf die uneingeschränkte Unterstützung der ITF zählen kann, die in diesem komplexen globalen politischen und wirtschaftlichen Umfeld eine führende Rolle spielt.

31. Immer mehr Frauen übernehmen Führungspositionen bei angeschlossenen Organisationen, in den Sektionen und Regionen der ITF und die Frauen müssen Mut aus dieser historischen Entwicklung schöpfen und sich auf die Übernahme von Führungspositionen auf höchster Ebene vorbereiten, wie ich bereits 2006 sagte. Das soll keine Belehrung, sondern vielmehr eine Ermutigung sein, mit der ich sagen möchte, dass ihr Führungskompetenz habt und fähig seid! Die Wahl von Frauen sollte nicht länger eine Ausnahme bleiben, sondern zur Norm werden!

32. Das strategische Ziel, an dem wirklich gearbeitet werden muss, ist die Integration der die Frauen betreffenden Anliegen und Themen in die Sektions‐ und Regionsprogramme der angeschlossenen Organisationen,
was unmittelbar in den Zuständigkeitsbereich des SCTs fällt.

33. Die Frauenkonferenz wird am 9. August, dem nationalen Frauentag in Südafrika, stattfinden. Lasst uns die von uns erzielten Fortschritte feiern, aber auch anmerken, dass wir unsere Bemühungen verdoppeln
und noch aktiver werden müssen, um eine effiziente Beteiligung von Frauen gewährleisten zu können, da bei vielen Mitgliedsorganisationen, in vielen Sektionen und Regionen immer noch Barrieren vorhanden sind.

JUNGE ARBEITNEHMER/INNEN AN DIE VORDERSTE FRONT

34. Seit dem ITF‐Kongress in Durban im Jahr 2006 wurden dank der Bildung eines Lenkungsausschusses, die Interaktion mit dem Vorstand und regelmäßige Berichterstattung gute Fortschritte erzielt, die schließlich zu Satzungsänderungen führten, durch die die Beteiligung junger Verkehrsbeschäftigter an der Tätigkeit des Vorstands ermöglicht wird.

35. Ihr seid die Fußsoldat/innen, Aktivist/innen und Gewerkschaftsführer/innen der ITF, die sich durch ihren breitgefächerten politischen und gesellschaftlichen Beitrag für die Schaffung einer besseren Welt
einsetzen müssen, da das kapitalistische System die großen Probleme Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit und Unterentwicklung nicht lösen wird. Wir brauchen eure Kreativität, Leidenschaft und Motivation, um die Organisation auf allen Ebenen bedingungslos voranzutreiben.

36. Lasst also eure Stimme hören und zeigt, dass ihr fähig seid zu führen, indem ihr bei euren Konferenzen Entschließungen verabschiedet, die den Kongress dazu veranlassen, sich noch mehr um die gewerkschaftliche
Organisierung junger Verkehrsbeschäftigter zu bemühen und ihren Bedürfnissen und Vorstellungen entgegenzukommen.

37. Nutzt diese Gelegenheit zur Netzwerkarbeit, um euch einzubringen, zum Lernen und dazu, euch untereinander aber auch ältere Delegierte wie mich, kennenzulernen und gemeinsam voranzugehen.

38. Ebenso muss das SCT dafür sorgen, dass die Anliegen, die jungen Beschäftigen am Herzen liegen, in die angeschlossenen Organisationen, Sektionen und Regionalprogramme übernommen und integriert werden.

RETTET UNSERE WELT JETZT – HANDELN ZUM AUFHALTEN DES KLIMAWANDELS

39. Als fortschrittliche, in der ITF organisierte Verkehrsbeschäftigte sind wir verantwortlich dafür, einen Beitrag zur Rettung unseres Planeten zu leisten und den künftigen Generationen eine nachhaltige Welt zu hinterlassen. Unsere Rolle besteht konkret darin, durch gezielte politische Intervention für einen nachhaltigen Verkehrssektor zu sorgen. Die Einberufung der Klimawandelkonferenz soll durch einen Antrag, der auf dem Kongress vorgelegt wird, die Debatte zu diesem Thema anregen. Wir können nicht vor dieser Problematik davonlaufen, sondern müssen uns mit ihr auseinandersetzen und eine unmissverständliche Politik verabschieden, von der unsere künftige Arbeit in diesem Bereich geleitet wird. Wir
können die Entscheidungen in dieser Angelegenheit nicht einfach den Vereinten Nationen, G8, G20 oder Nicht‐Regierungsorganisationen überlassen, sondern wir müssen auf die in Kopenhagen geschaffene,
wenn auch kleine Basis aufbauen und ebenfalls eine eigene Position vertreten und wissen, wo wir stehen. Und wir müssen im Falle gemeinsamer Positionen Allianzen bilden.

40. Ich vertraue darauf, dass es der Kongress für selbstverständlich halten wird, die ernsthafte Bedrohung der Menschheit durch den Klimawandel voll und ganz zu verstehen, und dass er eine Politik verabschieden
wird, mit der entsprechend auf diese Bedrohung reagiert wird, während gleichzeitig gewährleistet wird, dass wir unseren Verpflichtungen gegenüber unseren Mitgliedern nachkommen.

INTENSIVIERUNG DER KAMPAGNE FÜR ÖFFENTLICHE DIENSTE, MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND BESSERE ARBEITSBEDINGUNGEN IN ANBETRACHT DER TATSACHE, DASS SICH DAS KAPITALISTISCHE SYSTEM IN EINER KRISE BEFINDET

41. Die Wahrung der öffentlichen Dienste und das Aufhalten des Klimawandels sind unmittelbar mit der Gewährleistung sauberer Luft und umweltfreundlicher Verkehrssysteme verknüpft, bei denen das öffentliche Verkehrswesen einen höheren Stellenwert als individuelle Fortbewegungsmittel einnimmt. Zudem soll u.a. auch in der Luftfahrt Treibstoff eingespart werden. Die ganze Entwicklung wird sich darauf auswirken, welche Art von Jobs geschaffen werden und sie wird die Umschulung von Arbeitnehmer/ innen oder ihre Versetzung an andere Arbeitsplätze zur Folge haben.

42. Wir müssen unsere Zusammenarbeit mit der Internationale der Öffentlichen Dienste (IÖD) und anderen globalen Gewerkschaftsverbänden fortsetzen und die Kampagne für qualitativ hochwertige öffentliche Dienste durchführen, die im Oktober 2010 auf den Weg gebracht wird.

43. Der Kongress muss deshalb eine unmissverständliche Entschließung verabschieden, mit der eine schärfere Regulierung der globalen Finanzmärkte und ihrer Institutionen gefordert wird, um der Gier und den exorbitanten Managergehältern einen Riegel vorzuschieben. Diese Krise gab denjenigen recht, die ständig damit argumentierten, dass ein unkontrollierter freier Markt sich schließlich selbst zerfleischen wird. Wir, die Bastion der sogenannten freien Welt, mussten miterleben, wie die US‐amerikanische Regierung Unternehmen und Banken zu Hilfe eilen musste, um den Zusammenbruch des Systems zu verhindern.

In sich entwickelnden und armen Ländern wird ein fürsorglicher und intervenierender Staat benötigt, der sich mit der Unterstützung durch die Privatwirtschaft der sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen annimmt. Es wird also eine vom Staat gelenkte Entwicklung benötigt. Aus diesem Grunde muss die von Regierungen aus dem Süden und aus Entwicklungsländern durchgeführte Kampagne zur Umstrukturierung globaler Finanz‐ und Handelsorganisationen intensiviert werden, damit die
Millenniumsentwicklungsziele erreicht werden können und u.a. die Armut um die Hälfte verringert werden kann.

BEZIEHUNG ZU ANDEREN GLOBALEN GEWERKSCHAFTSVERBÄNDEN

44. Die ITF unterhält gute kollegiale Beziehungen zu anderen globalen Gewerkschaftsverbänden und wir müssen mit Hilfe gemeinsamer Kampagnen, wie das in erster Linie mit UNI und ICEM der Fall ist, auch weiterhin gemeinsame strategische Ziele verfolgen. Dieses gemeinsame Vorgehen ist grundlegend wichtig angesichts der Tatsache, dass die Ressourcen schwinden und der Ruf nach Solidarität immer lauter wird. Die Ressourcen können auf diese Weise gemeinsam genutzt werden.

DIE ROLLE DES PRÄSIDENTEN

45. Die Aufgabe des Präsidenten ist weder, sich mit sämtlichen Details des ITF‐Sekretariats zu befassen, noch ist sie eine rein zeremonielle Angelegenheit, die sich lediglich darauf reduziert, den Vorsitz bei Sitzungen der Organisation zu führen. Der Präsident und die Vizepräsident/innen müssen eine eher politische Rolle beim Aufbau und bei der Profilierung der Organisation spielen und zusammen mit dem Generalsekretär gewisse Kampagnen durchführen.

46. Der Kongress muss den Vorstand dazu anleiten, Vorschläge zu prüfen, die die Rolle des Präsidenten und der Vizepräsident/innen dahingehend ausbauen sollen, dass sie eine aktivere Rolle innerhalb der Organisation spielen können und mehr gemeinsame Verantwortung tragen.

47. Eine weitere wichtige Angelegenheit, die ich gerne an den Kongress herantragen möchte und über die in der Zeit zwischen den Kongressen nachgedacht werden kann, ist die Lage, in die wir aufgrund der Erkrankung
des Generalsekretärs gerieten, wodurch ein Führungsvakuum entstand, das zu Ungewissheit im Tagesgeschäft führte. Meiner Ansicht nach ist das eine politische und institutionelle Kluft, die mit Hilfe eines Nachfolgeplans geschlossen werden muss, im Rahmen dessen das durch Wahl zu besetzenden
Amt des stellvertretenden Generalsekretärs geschaffen wird, um auf diesem Level Kompetenz und Erfahrung aufzubauen.

48. Zu oben genanntem Vorgehen sollte zur Vorbereitung auf den 43. ITF‐Kongress im Jahre 2014 meiner Ansicht nach auch die Überarbeitung der derzeitigen ITF‐Satzungen gehören, um die Zeit des Kalten
Krieges hinter uns zu lassen.

49. Während meiner Amtszeit versuchte ich, die Präsidentschaft als eine politisch und strategisch aktive Aufgabe in Bezug auf die Arbeitsbeziehungen zum Generalsekretär und zum stellvertretenden Generalsekretär zu charakterisieren.

  • Ich traf mit dem Generalsekretär und dem stellvertretenden Generalsekretär zusammen, um unsere Arbeitsbeziehungen ausgehend von der Besprechung strategischer Angelegenheiten zu definieren.
  • Ich traf mit den ITF‐Mitarbeiter/innen in London zusammen und erläuterte meine Erwartungen.
  • Ich besuchte einzelne ITF‐Abteilungen und ‐Sektionen, um mir ein Bild von ihrem Rollenverständnis zu machen.
  • Ich griff ein, wenn die Moral des ITF‐Personals angegriffen war, um sicherzustellen, dass die Arbeit fortgeführt wird.

50. Ich machte den Vorschlag, dass alle Mitarbeiter/innen und diejenigen in Führungspositionen in der Zeit zwischen den Kongressen einmal zusammenkommen sollten, um die Vision, die Ziele, die Politik und
die Entschließungen der ITF zu verstehen, aber auch um Erfahrungen auszutauschen, und zwar speziell im Hinblick auf den Aufbau der Organisation im Zusammenhang mit der Kampagne für globale Organisationsarbeit und auf die Erzielung einer integrierten und effizienten Arbeitsweise.

51. Ich hoffe, dass der neu gewählte Präsident und die Vizepräsident/innen auf dieses Fundament, das ich mit voller Unterstützung des Vorstands gelegt habe, aufbauen werden.

52. Abschließend möchte ich den Vizepräsident/innen, dem Vorstand, dem Generalsekretär, dem stellvertretenden Generalsekretär, den Mitarbeiter/innen und Dolmetscher/innen dafür danken, dass ich mit euch zusammen die Verkehrsbeschäftigten aus der ganzen Welt vertreten durfte.

53. In erster Linie aber möchte ich den eigentlichen Inhabern der ITF, nämlich den angeschlossenen Gewerkschaften und ihren Mitgliedern für ihr 2006 ausgesprochenes Vertrauen und das Privileg, dazu gewählt
worden zu sein, in ihren Diensten stehen zu dürfen, danken.

54. Die ITF ist eure Organisation, eure globale Waffe zur Wahrung und Förderung der Interessen der Verkehrsbeschäftigten und zur Bekämpfung von Unterdrückung und Ausbeutung. Deshalb seid ihr diejenigen, die die ITF mit Hilfe dieses Kongresses leiten und formen müssen, um Strategien, Anträge und Arbeitsprogramme zu verabschieden, die effiziente Antworten auf die Probleme, mit denen die Arbeitnehmer/innen konfrontiert sind, liefern.

55. Verkehrsbeschäftigte sind aufgrund ihrer strategischen Position in der Wirtschaft sehr einflussreich. Wird dieser Einfluss entsprechend eingesetzt, dann können die Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer/innen tatsächlich verändert werden. Die Verkehrsbeschäftigten können aber auch einen Beitrag zur Schaffung einer besseren Welt leisten, indem sie ein progressives Wertesystem auf Basis von Solidarität, sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit vorgeben, in dem Armut, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Unterentwicklung, Probleme die vom kapitalistischen System aufrechterhalten wurden, der Vergangenheit angehören, da sich das System der freien Marktwirtschaft als unfähig erwiesen hat, die Probleme von Millionen armer und notleidender Menschen zu lösen.

56. Und schließlich, da ich in Kürze mein Amt an den neuen Präsidenten, den ihr jetzt dann wählen werdet, übergeben werde, möchte ich im Rahmen meiner Verantwortung noch folgende Anmerkungen in Bezug auf die Leitung des Kongresses machen:

  • Mein Vermächtnis soll fortgeführt werden, z. B. soll das Sekretariat konsultativ funktionieren und auf kollektive und verantwortliche Weise mit dem Präsidenten zusammenarbeiten.
  • Der Vorstand hat im Sinne seiner leitenden Position einen Wahlvorgang verabschiedet, durch den ein neuer Präsident gewählt wird, der von uns allen respektiert wird.
  • Der Kongress muss sich auch weiterhin auf Debatten in Bezug auf die reale Politik und die Organisation konzentrieren, um die Richtung vorzugeben und die ITF weiter aufzubauen.
  • Der Präsident muss über die Mehrheit bei den angeschlossenen Gewerkschaften und Regionen verfügen.
  • Ich werde mich um die Führungskräfte der angeschlossenen Gewerkschaften und regionalen Gruppen kümmern, um dafür zu sorgen, dass sich der Kongress nicht mit unnötigen Spannungen und persönlichen Angelegenheiten auseinandersetzen muss.
  • Wir sollten geeinter aus der Wahl hervorgehen, da ein Wahlvorgang nicht zu Spaltungen, sondern zu mehr Demokratie innerhalb der Familie führen sollte.
  • Nachdem das nun gesagt wurde und wenn feststeht, dass ein Kandidat von allen Regionen befürwortet wird, hoffe ich, dass wir über die nötige Reife verfügen und uns einigen können.

Ich danke euch!